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Wenn moderne Sicherheitssysteme im Dunkeln stolpern

Der ADAC testet aktuelle Notbremsassistenten und offenbart eine überraschende Sicherheitslücke. Ausgerechnet reflektierende Kleidung bringt die Sensoren moderner Fahrzeuge bei Dunkelheit an ihre Grenzen.

Ein dunkles Auto kollidiert nachts im ADAC-Test mit einem Dummy in reflektierender Warnkleidung.

Im ADAC-Test erfasst das Fahrzeug den Dummy trotz reflektierender Warnkleidung ungebremst. Bild: ADAC/Uwe Rattay

Moderne Autos stecken voller hochmoderner Technologie, die uns im Straßenverkehr beschützen soll. Assistenzsysteme bremsen eigenständig ab, sobald Gefahr im Verzug ist, und retten dadurch Leben. Ein aktueller Test des ADAC zeigt jedoch, dass diese elektronischen Schutzengel im Dunkeln unerwartete Schwächen offenbaren. Wer sich blind auf die Technik verlässt, erlebt im Ernstfall eine böse Überraschung.

Wenn gute Sichtbarkeit zum Problem wird
Fahrzeughersteller statten neue Pkw verpflichtend mit Notbremsassistenten aus, die Fußgänger erkennen und Zusammenstöße verhindern müssen. Der ADAC überprüft in einer aktuellen Untersuchung sechs beliebte Modelle wie den Mercedes CLA, den Tesla Model Y, den BYD Seal, den Hyundai Tucson, den Dacia Duster sowie den Opel Astra. Bei den Testfahrten im Dunkeln müssen die Assistenten auf Fußgänger reagieren, die Kleidung mit unterschiedlichen Reflektoren tragen. Als Messlatte dient die höchste Geschwindigkeit, bei der ein Zusammenstoß mit einem unauffälligen Dummy ohne Reflektoren gelingt.

Das paradoxe Versagen der Sensoren
Das Testergebnis überrascht und schockiert zugleich, denn handelsübliche Warnwesten erkennen alle sechs Testkandidaten fehlerfrei. Sobald jedoch genormte reflektierende Arbeitskleidung ins Spiel kommt, versagen fast sämtliche Systeme komplett oder reagieren viel zu spät. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Test mit einem Kinderdummy, der reflektierende Kleidung und einen Schulranzen trägt. Dunkel gekleidete Kinder erkennen die Fahrzeuge problemlos, aber bei der reflektierenden Variante scheitern fast alle Assistenten. Lediglich der Mercedes CLA bremst rechtzeitig ab, wenn ein Kind hinter einem parkenden Auto hervortritt.

Warum Software-Updates die Rettung bringen
Die Unfallexperten des ADAC sprechen von einer gravierenden Sicherheitslücke und fordern die Hersteller umgehend zu Nachbesserungen auf. Das Kernproblem liegt offenbar gar nicht in der verbauten Hardware oder Sensorik, sondern in der internen Software. Die Algorithmen interpretieren die Lichtreflexe der speziellen Kleidung falsch und ordnen die Verkehrsteilnehmer nicht korrekt ein. Automobilhersteller können dieses Problem in vielen Fällen glücklicherweise durch gezielte Software-Updates in den Werkstätten beheben.

Unverzichtbarer Schutz trotz technischer Mängel
Trotz der enttäuschenden Testergebnisse raten Experten dringend dazu, weiterhin reflektierende Kleidung und Warnwesten zu tragen. Die verbesserte Sichtbarkeit für menschliche Autofahrer sorgt für einen enormen Sicherheitsgewinn, der die technischen Schwächen der Assistenten bei Weitem überwiegt. Niemand sollte deshalb auf den Schutz durch Reflektoren verzichten. Autofahrer müssen im Dunkeln ohnehin extrem wachsam bleiben und dürfen niemals die volle Verantwortung an die Bordelektronik abgeben.